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18. August 2015

WISSENSWERTES - Japans Geschichte

Japans Geschichte

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Die Bildung eines Staatswesens begann in Japan im 5. Jahrhundert unter kulturellem Einfluss des chinesischen Kaiserreichs. Seit dem 16. Jahrhundert stand Japan im Kontakt mit dem Westen und stieg seit dem 19. Jahrhundert zur Großmacht auf, erwarb Kolonialbesitz und nahm an beiden Weltkriegen teil. Eine aggressive Expansionspolitik in China mündete in den Pazifikkrieg und die Niederlage an der Seite der Achsenmächte. Japans Vergangenheit als Kolonial- und Besatzungsmacht belastet noch heute die Beziehungen zu seinen Nachbarstaaten.
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Sprache und Schrift


Die Landessprache ist Japanisch und wird von nahezu der gesamten Bevölkerung und den meisten Minderheiten gesprochen. Es existieren zahlreiche regionale Dialekte.
Die japanische Sprache verwendet neben den chinesischen Schriftzeichen (kanji) zwei eigene Silbenschriftsysteme (Hiragana und Katakana), die von chinesischen Schriftzeichen abgeleitet sind. Straßen, Bahnhöfe und Ähnliches sind meist in Kanji und in lateinischer Umschrift (Rōmaji) beschildert.
Minderheitensprachen autochthoner Völker in Japan sind das nicht mit dem Japanischen verwandte Ainu im Nordteil der Insel Hokkaido und die mit dem Japanischen verwandten, aber eine eigenständige Gruppe bildenden Ryūkyū-Sprachen auf den gleichnamigen Inseln.
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Religion


In Japan haben immer mehrere religiöse Glaubensformen nebeneinander bestanden. Die wichtigsten sind der Shintō, der sich von der japanischen Urreligion herleitet, und der Buddhismus, der Japan im 5. oder 6. Jahrhundert erreichte. Heute gehören über 80 % der Japaner beiden Hauptreligionen gleichzeitig an, daher wird die religiöse Grundeinstellung in Japan als synkretisch bezeichnet.
Der japanische Buddhismus ist in viele verschiedene Sekten (Schulen, Richtungen) gegliedert, die fast alle dem Mahayana-Buddhismus angehören. Zu den bekanntesten buddhistischen Richtungen in Japan zählen der Zen-Buddhismus, der Amitabha-Buddhismus und der Nichiren-Buddhismus. In der Religion Japans gibt es darüber hinaus chinesische Einflüsse durch Daoismus und Konfuzianismus, die von Shintō und Buddhismus aufgenommen und integriert wurden.
Das Christentum spielte in der Geschichte Japans vor allem im 16. und 17. Jahrhundert eine gewisse Rolle, nimmt aber heute nur noch eine Randstellung ein.
Ein wichtiges Element stellen die „Neuen Religionen“ dar, die sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts immer stärker ausbreiten und oft eine eigenwillige Mischung aus Shintō, Buddhismus und anderen Weltreligionen propagieren. Seit dem Zweiten Weltkrieg herrscht gegenüber diesen Richtungen eine besonders große religiöse Toleranz, sodass gegenwärtig rund 300 solcher Glaubensgemeinschaften amtlich gelistet sind.
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Kultur


In der modernen japanischen Kultur gehen viele Elemente auf die ganz eigene Tradition des Landes zurück, wodurch Japan im Kreis der
Industrienationen seinen individuellen Charakter bewahrt hat.
In der Archäologie sind die ersten Zeugnisse der kulturellen Frühgeschichte Keramiken der Jōmon- und Yayoi-Periode.
Ab dem 4. Jahrhundert kamen dann viele Elemente der chinesischen Kultur nach Japan, zuerst Landwirtschaftstechniken wie der Reisanbau und Handwerkstechniken wie Bronzeschmiedekunst und der Bau von Hügelgräbern, dann ab dem 7. Jahrhundert auch die Schriftkultur und die Fünf Klassiker, der Konfuzianismus und der Buddhismus.
In der Heian-Zeit kam es zu einer ersten Blüte, als der Hofadel aus dem chinesischen Erbe eine eigenständige japanische Dichtung und Literatur entwickelt.
In den darauf folgenden Epochen wurde das Land immer wieder von Bürgerkriegen verwüstet, wodurch der Schwertadel, die Bushi (später als Samurai bezeichnet), zur wichtigsten Schicht aufstieg. Neben der Kriegskunst und der Schwertschmiedekunst bildete sich auch eine neue Form des Buddhismus, der Zen, heraus, der den Kriegern zusprach.
Erst in der Edo-Zeit im 17. Jahrhundert, unter den Tokugawa, kam das Land wieder zur Ruhe. Die Samurai wurden zu einer Beamtenschicht, die ihre Kriegertugenden in den Kampfkünsten (武術 bujutsu) bewahrte. Der Einfluss des Zen spiegelte sich nun auch in Dichtung, Gartenkunst, Malerei (Sumi-e) und Musik wider. Durch Frieden und wirtschaftlichen Aufschwung kam in dieser Zeit auch die vierte Schicht, die Händler, zu Reichtum. Da ihnen der soziale Aufstieg verwehrt war, suchten die Händler in der Kunst einen Weg, die Samurai zu übertrumpfen. Sie förderten Teehäuser, in denen die Geishas die Teezeremonie, Blumensteckkunst, Musik und Tanz praktizierten. Sie förderten auch das Kabuki-Theater. In den Städten bildeten sich besondere Vergnügungsbezirke, besonders in Edo, wo die Daimyō das halbe Jahr unter der direkten Kontrolle des Shōgun verbringen mussten.
Eine dritte Blütezeit der Kultur erlebt Japan jetzt in der Nachkriegszeit, in der Japan eine lebhafte Popkultur hervorgebracht hat, die westliche Einflüsse und japanische Tradition verbindet. Anime und Manga, japanische Filme und Popmusik sind auch in Übersee beliebt.
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Sport


Sport ist in Japan bereits in der Asuka-Zeit (7. Jahrhundert) nachgewiesen, als eine Gesandtschaft aus Korea am Hof der Kaiserin Kōgyoku durch einen Sumōkampf unterhalten wurde. Die Bushi, der erstarkende Kriegerstand zum Ende der Heian-Zeit (11. Jahrhundert), betrieben ebenfalls Sport als Vorbereitung auf den Kampf, in erster Linie Schwertkampf (kenjutsu), Reiten (bajutsu), Bogenschießen (kyūjutsu) und Schwimmen. In der Edo-Zeit, einer friedlichen Periode, verfeinerten die zu Verwaltungsbeamten gewordenen Samurai diese Techniken zur Kampfkunst(bujutsu), die durch den Einfluss des Zen-Buddhismus auch eine spirituelle Komponente erhielten.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurden aus den klassischen Bujutsu-Künsten die heutigen Kampfkünste und Kampfsportarten entwickelt, darunter Judo, Aikidō und Kendō. Das Karate entwickelte sich in der Präfektur Okinawa.
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Etikette


Begrüßung

Anstatt sich die Hände zu schütteln, verbeugt man sich in Japan. Neben der Begrüßung hat das Verbeugen aber noch anderen Funktionen, wie zum Beispiel des Sich-Bedankens oder Entschuldigens. Je nach Rang, Geschlecht oder gesellschaftlichem Kontext gibt es unterschiedliche Formen der Verbeugung, die hierarchisch aufgebaut sind. Entscheidend hierbei sind Alter, Geschlecht und ob man Gast oder Gastgeber ist. Männer legen bei der Verbeugung die Arme seitlich am Körper an, während Frauen ihre Arme auf dem Schoß zu einem Dreieck zusammenlegen. Für beide Geschlechter gilt generell, je tiefer die Verbeugung umso höher angesehen ist das Gegenüber. So verneigt sich zum Beispiel der Untergebene tiefer gegenüber dem Abteilungsleiter, als die Abteilungsleiter untereinander. Die Ausnahme hier wäre, wenn die beiden Abteilungen eine unterschiedliche Relevanz im Unternehmen hätten.
Visitenkarten sollten mit beiden Händen überreicht werden, so, dass sie gleich lesbar sind. Zudem sollten sie gleich gelesen und erst nach der Verabschiedung, wenn das Gegenüber also nicht mehr sehen kann was man macht, in das Portemonnaie oder die Tasche gesteckt werden.


Kommunikation

das Wort “Ja” (hai) benutzen Japaner nicht wie im deutschen. Es hat eher die Bedeutung „Ja, ich habe verstanden“ oder „Ja, ich höre zu“. Die Bedeutung als konkrete Zustimmung zu einem Sachverhalt, ist in den japanischen Umgangsformen nicht verbreitet.
Japaner benutzen kein direktes „Nein“, so wie man es aus der deutschen Sprache kennt. Zwar gibt es ein japanisches Wort für Nein, dieses wird jedoch nur selten genutzt. Japaner signalisieren Ablehnung beispielsweise über ihre Körpersprache. Auch wenn derjenige Gegenüber seine negative Einstellung zum Sachverhalt äußert, kann man davon ausgehen, dass er damit „Nein“ meint.


Zwischenmenschliche Beziehungen

  • Es ist üblich, Blickkontakt zu meiden. Bei der Begrüßung zählt die Verbeugung; der Handschlag ist i.A. nicht angebracht.
  • Gäste bringen bei Besuchen kleine Aufmerksamkeiten mit; dabei sind kulinarische Kleinigkeiten/ Knabbereien angemessener als Blumen. Für Ausländer ist ein Mitbringsel (Omiyage) aus dem eigenen Heimatland am besten.
  • In Japan ist es nicht üblich, Trinkgeld zu geben. Man sollte es niemandem aufdrängen. Dies führt zu Verärgerung und wird zuweilen sogar als Beleidigung empfunden.
  • In Japan wird es als unhöflich erachtet, wenn man sich im Beisein anderer laut die Nase putzt. Das „Hochziehen“ hingegen ist üblich. Die Nase sollte man sich unbeobachtet putzen, beispielsweise in einer der öffentlichen Toiletten.
  • In Restaurants und Privathäusern zieht man die Schuhe aus und stellt diese so hin, dass man sie beim Verlassen des Hauses bequem wieder anziehen kann. Für den Gang zur Toilette und zu den Gärten stehen meist extra Schuhe oder Pantoffeln bereit.
  • Man sitzt häufig auf dem Boden. Dabei ist es unhöflich, anderen beim Sitzen die Fußsohlen zu zeigen.
  • Man schlägt nicht die Beine übereinander
  • Da das Essen in Japan einen sehr hohen Stellenwert hat, sollte man nicht auf offener Straße im Gehen essen. Zum Einnehmen von Speisen sollte man sich hinsetzen. Stäbchen werden nur zum Essen benutzt.
  • Getränke werden stets vom Gastgeber eingeschenkt. Man füllt sich sein Glas nicht selbst. Sollte der Gast nicht wollen, dass aufgefüllt wird, so belässt dieser einen Rest im Glas. Ein leeres Glas bedeutet für den Gastgeber die Bedürfnisse des Gastes noch nicht befriedigt zu haben.
  • Das eigene Sushi darf nicht in ein gemeinsames Schälchen mit Sojasoße getunkt werden, sondern es muss Soße auf ein separates Schälchen gegossen werden.
  • Wasabi oder Essen von einer von mehreren Personen geteilten Platte wird mit den umgedrehten Enden der Essstäbchen aufgenommen und nicht mit der Seite von der gegessen wird.
  • Es ist üblich, Wasabi mit der Sojasoße in einem separaten Schälchen zu vermengen, das direkte Aufbringen des Wasabi auf dem Sushi ist aber akzeptiert.
  • Da Tod und Leben im Alltag akribisch voneinander getrennt werden, ist es mehr als unhöflich, seine Essstäbchen in eine mit Reis gefüllten Schale zu stecken. Die Assoziation zu der länglicheren Variante der Essstäbchen, welche dazu verwendet werden die Knochen aus der Asche des Verstorbenens in die Urne zu füllen, liegt zu nahe.
  • In manchen Stadtbezirken ist das Rauchen in der Öffentlichkeit verboten. Aufgemalte Verbotsschilder auf den Gehwegen weisen darauf hin. Eine Zuwiderhandlung wird als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bestraft.

  • In Bussen und U-Bahnen haben einige Sitze eine andere Farbe. Sie sind für ältere Menschen reserviert.
  • Es ist verpönt, in öffentlichen Verkehrsmitteln zu telefonieren, SMS versenden ist hingegen verbreitet und akzeptiert

WISSENSWERTES - William Adams und Tokugawa



William Adams (* 24. September 1564 in Gillingham, Kent; † 16. Mai 1620 in Hirado, Nagasaki) reiste als erster Engländer nach Japan, lebte dort bis zu seinem Tod und ist vermutlich der erste Europäer, der den Titel eines Samurai erhielt. Seine Anwesenheit fällt in die kurze Periode der Öffnung Japans nach außen, die als Epoche des Nanban-Handels bekannt wurde.
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Leben


Frühe Jahre

Adams wurde in Gillingham (nahe Chatham) geboren. Als er zwölf Jahre alt war, verstarb sein Vater. Er wurde daraufhin Lehrling bei Nicholas Diggins, dem Besitzer einer Werft in Limehouse. Während der nächsten zwölf Jahre erlernte er dort Schiffbau, Astronomie und Navigation. 1588 trat er in die Royal Navy ein und erhielt das Kommando auf der Richard Duffield, einem Versorgungsschiff, welches während der Schlacht gegen die spanische Armada die englische Flotte mit Lebensmitteln und Munition versorgte. Während Lord Howard und Sir Francis Drake mit dem Feind rangen, brachte Adams Nachschub. Die nächsten zehn Jahre segelte er als Navigator auf Handelsschiffen zwischen England und der nordafrikanischen Berberküste hin und her.


Die Reise nach Japan

Im Auftrag einer Gesellschaft Rotterdamer Kaufleute wurde der damals 34-jährige Adams im Jahr 1598 Hauptnavigator einer aus fünf Schiffen bestehenden Flotte von Texel, die in den Fernen Osten fuhr. Am 24. Juni 1598 stach er an Bord der Hoop in See, begleitet von den SchiffenLiefdeGeloofTrouw und Blijde Boodschap.
Die Schiffe mit einer Tonnage von 75 bis 250 Tonnen segelten zuerst in Richtung der Kapverdischen Inseln, wo der Versuch scheiterte, sich neu mit Proviant zu versorgen. Daraufhin steuerten sie die Küste Guineas in Westafrika an, wo die Abenteurer die Insel Annobón überfielen und den Proviant zusammenraubten. Danach überquerten sie den Atlantik und folgten der Küste Brasiliens und Argentiniens, um die Magellanstraße zu erreichen. Im schlechten Wetter des nächsten Frühlings verloren die Schiffe den Kontakt untereinander. Sowohl die Liefde (mit Adams an Bord) als auch die Hoop erreichten die Küste Chiles, wo die Kapitäne beider Schiffe bei Auseinandersetzungen mit Einheimischen ums Leben kamen.
Adams wartete auf der Insel Santa Maria auf die anderen Schiffe, doch nur die Hoop traf am vereinbarten Ziel ein. Ende November 1599 segelten die beiden verbliebenen Schiffe auf westlichem Kurs in Richtung Japan.
Die Geloof kehrte mit 36 Überlebenden durch die Magellanstraße im Juli 1600 nach Rotterdam zurück. Die Blijde Boodschap fiel in die Hände der Spanier. Die Trouw überquerte alleine den Pazifik und erreichte die Gewürzinseln, wo sie von Portugiesen gekapert wurde; sechs Überlebende der Mannschaft kehrten nach jahrelanger Gefangenschaft im Jahr 1604 als Weltumsegler in die Niederlande zurück.
Aus Furcht vor den Spaniern hatten sich die Mannschaften der Liefde und der Hoop darauf geeinigt, nicht weiter der Küste Südamerikas zu folgen, sondern auf den offenen Pazifik hinaus zu segeln. Dabei ging die Hoop Ende Februar 1600 in einem Taifun unter.


Ankunft in Japan

Im April 1600 erreichte die Liefde mit einer dezimierten Besatzung kranker und sterbender Männer die Insel Kyūshū in Japan und ankerte in Usuki in der Provinz Bungo (heute Präfektur Ōita). Nur neun der verbliebenen 24 Mann Besatzung konnten zu diesem Zeitpunkt noch aus eigener Kraft stehen.
Portugiesische Priester beschuldigten Adams und seine Mannschaft der Piraterie. Ein Mitglied des Regentschaftsrates, Tokugawa Ieyasu, ließ daraufhin das Schiff beschlagnahmen und die Besatzung in der Burg von Ōsaka inhaftieren.
Tokugawa war der Vormund des jungen Sohns des zwei Jahre zuvor verstorbenen Regenten Toyotomi Hideyoshi. Toyotomi war nicht in den Samurai-Stand geboren worden, sodass ihm der Titel eines Shōguns verwehrt war. Sein Sohn Hideyori hätte jedoch Shōgun werden können, da seine Mutter aus einer Samurai-Familie stammte.
Adams wurde persönlich von Tokugawa verhört. Dabei zeigte Adams ein beeindruckendes Wissen über Schiffe und Schiffbau sowie Kenntnisse in Nautik und Mathematik. Er informierte Tokugawa außerdem über den Vertrag von Tordesillas aus dem Jahr 1494, in dem Papst Alexander VI. den Portugiesen die halbe Welt (einschließlich Japan) übereignet hatte. Die in Japan missionierenden Jesuiten hatten die Japaner über diese und andere Tatsachen europäischer Politik und Zustände bisher nicht informiert. Das holte Adams umfassend nach (Reformation, Befreiungskampf der Niederlande gegen Spanien). Die Möglichkeit einer Annexion durch Portugal und Spanien (bis 1640 in Personalunion verbunden) traf den nationalstolzen Tokugawa schwer, was für seine spätere Abwehrpolitik und die seiner Söhne gegenüber den (katholischen) Christen mitbestimmend war. Adams wurde ein enger, wahrscheinlich sogar „freundschaftlich“ verbundener Ratgeber Tokugawas.
Adams’ Schiffsgenosse, der zweite Maat Jan Joosten, genoss anfangs ebenfalls die Gunst des Shōgun, trat später jedoch nur noch als Händler in Erscheinung.

Auszeichnung als Samurai

Rivalitäten innerhalb des Regentschaftsrates ließen diesen in zwei Parteien zerfallen. Tokugawa stand gegen die Partei der Witwe und des Sohnes von Toyotomi. Am 21. Oktober 1600 kam es zur Entscheidungsschlacht bei Sekigahara, aus der Tokugawa siegreich gegen Ishida Mitsunari hervorging. Der Tennō ernannte ihn daraufhin zum Shōgun.
Im Jahr 1604 erhielt Adams von Tokugawa den Befehl, in Itō an der östlichen Küste der Izu-Halbinsel ein Schiff in westlicher Bauweise zu konstruieren. Adams entwarf und baute innerhalb eines Jahres ein 80-Tonnen-Schiff. Darauf befahl ihm der Shōgun den Bau eines größeren Schiffes. Ein Jahr später war ein 120-Tonnen-Schiff fertig. Durch seine Arbeit und sein Misstrauen den Portugiesen und allgemein der Katholischen Kirche gegenüber erwarb Adams die Sympathie des Shōguns, der ihn zu seinem Berater für Diplomatie und Handel mit den Europäern machte.
Adams hatte Frau und Kinder in England, doch Tokugawa verbot dem Engländer, Japan wieder zu verlassen. Adams wurde stattdessen in den Samurai-Stand erhoben und erhielt ein Lehen in Hemi (逸見, heute Yokosuka) sowie das Daishō, die zwei Schwerter, die einen Samurai ausweisen. Adams erhielt den Titel Hatamoto, eine Bezeichnung für direkte Vasallen des Shōguns. Der Shōgun entschied, dass der Navigator William Adams nunmehr tot und dass Miura Anjin (der Navigator von Miura) geboren sei. Dadurch wurde Adams’ Frau de jure zur Witwe. Adams nahm Oyuki, die Tochter von Magome Kageyu, Samurai und Verwalter der Burg Edo (heute Tokyo), zur Frau. Anjin und Oyuki hatten einen Sohn namens Joseph und eine Tochter namens Susanna.
Dennoch fand Adams es hart, an einem Ort festzusitzen, und blieb weiter abenteuerlustig. So versuchte er vergeblich, eine neue Expedition zur Entdeckung der Nordost-Passage, diesmal von Japan aus, zu organisieren.

Die englische Handelniederlassung

Im Jahre 1611 erreichte Adams die Nachricht von der Gründung einer englischen Niederlassung in Bantam, und er schrieb dorthin in der Hoffnung auf Hilfe, um Japan wieder verlassen zu können. Im Jahre 1613 erreichte Kapitän John Saris mit seinem Schiff Clove Hirado. Er hatte den Auftrag, einen Handelsposten für die Ostindische Kompanie der Engländer zu gründen. Nachdem Adams die dafür notwendigen Genehmigungen des Shōguns vermittelt hatte, schob er seine Reisepläne auf (für die Rückreise nach England hatte er nun doch die Erlaubnis des Shōguns bekommen), um unter der Leitung von Richard Cocks beim Aufbau der neuen englischen Niederlassung zu helfen. Aus dieser Zeit stammte ein weiteres Kind mit einer Frau aus Hirado, worüber Adams jedoch nie genauere Angaben machte. Für den Rest seines Lebens arbeitete Adams im Auftrag der Ostindischen Kompanie, für die er, ebenso wie sein ehemaliger Schiffsgenosse Jan Joosten, noch einige Fahrten auf Rotsiegel-Schiffen durchführte, so 1616 nach Siam und 1617 und 1618 nach Cochinchina.

Tod

Adams starb am 16. Mai 1620 in Hirado, nördlich von Nagasaki, im Alter von fast 56 Jahren an den Folgen einer tropischen Krankheit, möglicherweise Malaria. Sein Grab ist erhalten, heute steht daneben ein Denkmal für den Missionar Francisco de Xavier.
In seinem Testament verteilte Adams seinen Besitz an seine britische Frau und ihre Tochter, seine japanische Frau und ihre beiden Kinder sowie einige Mitglieder der englischen Niederlassung. Adams’ japanischer Sohn Joseph erhielt vom Shōgun alle Rechte seines Vaters übertragen, insbesondere den Status als Samurai und als Berater bei Hofe. Über das Schicksal späterer Nachkommen sind keine Aufzeichnungen bekannt.
Zum Gedenken an Adams erhielt ein Stadtviertel in Edo (heute Tokio) den Namen Anjin-chō(Navigatorviertel), der aber nicht mehr verwendet wird. Dieses ehemalige Stadtviertel liegt im heutigen Stadtteil Nihonbashi (Chūō-ku) in den Stadtteilabschnitten Muromachi-1-chome und Honmachi-1-chome. Als Name erhalten geblieben ist die Anjin-dōri (按針通り,Navigatorstraße). Jedes Jahr fand am 15. Juni eine Feier zu Adams’ Ehren statt.
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Nachwirkungen

Im Jahr 1614 ließ Tokugawa Ieyasu das Christentum in Japan verbieten. Alle getauften Japaner mussten sich öffentlich von ihrer Religion distanzieren und in Listen buddhistischer Tempel eintragen lassen, andernfalls wurden sie hingerichtet.
Nach Adams’ Tod kapselte sich Japan für etwa 250 Jahre weitgehend von der Welt ab (Sakoku). Die Ratschläge von Adams an den Shōgun bewogen diesen, den Europäern in einem solchen Ausmaß zu misstrauen, dass er und seine Nachfolger Japan in der Edo-Periode isolierten.
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Literarische und filmische Umsetzung

William Adams war Vorbild für die Figur John Blackthorne im 1975 erschienenen RomanShogun des britisch-amerikanischen Schriftstellers James Clavell. Die Verfilmung des Buches als gleichnamige Fernsehserie mit Richard Chamberlain als Blackthorne und Toshirō Mifune als Shōgun Toranaga aus dem Jahr 1980 erlangte Weltruhm. (Im Buch und in der Fernsehserie hieß das Schiff, das an der japanischen Küste strandete, Erasmus. Dies war der ursprüngliche Name des Schiffes Liefde gewesen, mit dem Adams Japan erreichte.)
Adams diente als Vorlage für die Figur des Adam Monroe in der US-amerikanischen Fernsehserie Heroes, der als Engländer im 17. Jahrhundert nach Japan kommt, dort den Namen Takezo Kensei annimmt und zu einem legendären Samurai wird.


Wer mehr über das Buch und den Film erfahren möchte: Shogun